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Tuesday, October 9, 2012

Wachstum im Wandel - Konferenz, zweiter Tag

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Graphic Recording by Hanno Langfelder


Alles auf der Erde steht zueinander in Verbindung, und wir Menschen als Teil davon tragen die Verantwortung, sie als lebenswerten Ort zu bewahren. Es gibt nur diesen einen, begrenzten Lebensraum für uns. Der Planet wird auch ohne uns Menschen weiter existieren, wir aber brauchen ihn für unsere Existenz. Heute sprachen wir viel über eine Rückbesinnung auf die Werte, die das Leben lebenswert machen - und uns zugleich dabei helfen können, den Wandel unseres Gesellschaftssystems gut zu meistern. Das herrschende System des globalisierten "Immer-Mehr" ist nicht mehr als ein Glaubenssatz, der ebenso wieder abgelegt werden kann, wenn er unsere aktuellen Problemstellungen nicht mehr zu lösen vermag. Das Wirtschaftswachstum hat im Laufe der vergangenen Jahrzehnte viele Menschen aus der Armut geholt - aber ein gerechtes System? Davon ist auch heute, vor allem im globalen Kontext, nichts zu sehen. Manche, wie die alternative Nobelpreisträgerin  Helena Norberg-Hodge, gehen so weit zu sagen, dass unser derzeitiges Wachstumsmodell erst die großen Arbeitslosenzahlen verursacht hat - im Unterschied zur immer noch vorherrschenden Mainstream-Meinung, wir bräuchten dieses Modell, um die Arbeitslosigkeit zu senken und somit schwerwiegenderen sozialen Unruhen vorzubeugen.

Was wir brauchen, ist die Kreativität und den Mut, uns in Richtung eines grundsätzlich anderen Gesellschaftsmodells zu bewegen - eines Systems, das sich über kleinere Strukturen definiert, in denen die Verbindung für die Menschen wieder spürbar wird. In einer regionalisierten Wirtschaft wird es wieder erfahrbar, wo und auf welche Weise unsere Produkte produziert werden. Die Beziehung von Mensch zu Erzeugnis, damit auch verbunden zu seiner kulturellen Identität, wird neu entdeckt. Damit verbunden kommt es auch zu einem neuen Verantwortungsgefühl - denn nur zu etwas, zu dem ich in einer Beziehung stehe, kann ich auch Verantwortung übernehmen.

An positiven Beispielen, wie dieser Schritt getan werden kann, mangelt es nicht. Die (ökonomisch) ärmste Region Österreichs beispielsweise - das steirische Vulkanland - entwickelt sich momentan gerade zu einer regelrechten Pionierregion, indem es seine Regionalwirtschaft belebt und sich dafür einsetzt, immaterielle Werte aufzuwerten und die Wahrnehmungsfähigkeit der Menschen für das Unmittelbare zu schärfen.

Viele von uns - nicht nur BürgerInnen, sondern auch PolitikerInnen - fühlen eine gewisse Ohnmacht angesichts der globalen Probleme, die irgendwie gelöst werden müssen. Schon früher bin ich in Diskussionen auf den Gedanken gestoßen, dass diese Probleme nur in der kleinsten Einheit - dem individuellen Menschen - gelöst werden können. Wir können die Verantwortung nicht länger auf irgendein externes System wie "die Wirtschaft" oder "die Politik" schieben, denn ethisch handlungsfähig ist letztlich nur das Individuum. Die Welt wird sich ändern durch die unzähligen kleinen Schritte, die einzelne Menschen in ihrem eigenen Leben setzen - in ihren Familien, in ihren Heimatorten. Mir persönlich hilft dieser Gedanke dabei, die Ohnmacht abzulegen. Die Aufgabe der Gesellschaft ist es, diese Menschen in ihren Bestrebungen so gut es geht zu unterstützen und Räume zu schaffen, in denen gesellschaftliches Engagement möglich ist.

Ein Satz hat mir heute sehr gut gefallen: Ermächtigen wir uns selbst - und gehen wir doch endlich davon aus, dass wir - jetzt und hier - die kritische Masse bereits sind! Wir haben schon längst genug Wissen - jetzt geht es darum, etwas zu TUN!

"Wir müssen uns eingestehen, dass Konsum die Leere in unserem Leben nicht füllen kann." 
Gregor Sieböck, Weltenwanderer

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